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Familie: Unser Ursprung, unsere Herkunft.

Foto Familie: Unser Ursprung, unsere Herkunft.

Die Familie. Auf irgendeine Art und Weise spielt sie in unser aller Leben eine Rolle. Denn die Familie prägt uns positiv, aber auch negativ. Die Familie trägt dazu bei, warum wir sind, wie wir sind. Und die Familie und unsere Herkunft bringen viele Fragen auf.

Im aktuellen Blog widmen wir uns voll und ganz der Familie. Woher kommt eigentlich das Wort Familie? Vater, Mutter, Kind – Ist das Familie? Was, wenn der Kontakt zur Familie eine Belastung darstellt? Dazu schreiben wir in den folgenden Zeilen.

Familie: Unser Ursprung.

Die Familie ist in der Regel das erste soziale System, welches wir als Menschen kennenlernen. Kein Wunder also, dass uns unsere Familie und unsere Herkunft stark prägen. Denn in den ersten Lebensjahren ist die Familie häufig jenes soziale System, welches unser Leben dominiert. Damit gestaltet unsere Herkunft unsere Realität, in der bestimmte Werte gelebt, Sichtweisen weitergegeben und Lebenswege verfolgt werden. Umso älter wir werden und umso mehr andere soziale Systeme wir kennenlernen, desto stärker wird die eigene Herkunft häufig in Frage gestellt. Und feststeht: Das Leben ist zwar voller Möglichkeiten und Chancen, aber in welche Familie wir geboren werden, können wir uns nicht aussuchen.

Einen Schritt zurück: Was ist überhaupt Familie?

Die Bezeichnung Familie hat ihren Ursprung im lateinischen Wort familia, welches Hausgemeinschaft bedeutet. In seinem Ursprung bezieht sich das Wort also nicht explizit auf Eltern mit Kindern, sondern vielmehr auf alle Personen, die in Gemeinschaft in einem Haushalt leben. Heute wird Familie in Österreich allerdings als Eltern-Kind-Gemeinschaft und damit wesentlich enger definiert. Laut Statistik Austria leben in Österreich 2.460.000 Familien, wobei es sich konkret um 1.751.000 Ehepaare, 420.000 Lebensgemeinschaften und 242.000 Mütter und 47.000 Väter in Ein-Eltern-Familien handelt.

Familie und Rollenbilder.

Wenn wir Kinderbücher aufschlagen, Hollywood-Filme anschauen oder uns auf Webseiten staatlicher Institutionen über Familienangelegenheiten informieren, dann stellen wir schnell fest, dass das gesellschaftliche Bild von Familie stark heteronormativ geprägt ist. Damit ist eine Vater-Mutter-Kind-Familienkonstellation gemeint, mit der bestimmte Rollenbilder einhergehen. Zwar wandeln sich Rollenbilder und die gesellschaftliche Akzeptanz gegenüber neuen Modellen, wie der Väterkarenz oder Regenbogenfamilien, steigt. Nichtsdestotrotz dominiert in Österreich das Rollenbild, dass Mütter in Karenz gehen und sich primär um die Kinder kümmern, während Väter weiterhin dem Beruf nachgehen und die Familie „ernähren“.

Rollenbilder: Verstaubt oder brauchbar?

Rollenbilder, ob alt oder neu, sind nicht zwangsläufig schlecht. Vielmehr geht es um die Selbstbestimmung. Wenn sich also eine Frau aus eigenem Willen und auf Basis ihrer Bedürfnisse für eine Karenz entscheidet, dann ist das in Ordnung. Trifft sie diese Entscheidung allerdings aus gesellschaftlichen Erwartungen heraus, weil „die Dinge nun einmal schon immer so waren“, dann ist das kritisch und wird sie langfristig nicht glücklich machen. Fakt ist, dass es in jedem sozialen System Rollen und damit Rollenbilder gibt. Es gibt Redner*innen und Zuhörer*innen, Extrovertierte und Introvertierte, Anführer*innen und Mitläufer*innen. Gerade, aber nicht nur, im Kontext Familie ist es aber wichtig, dass wir Rollenbilder immer wieder kritisch hinterfragen. Wir sollten Rollenbilder niemals einfach hinnehmen, ihnen unkritisch folgen und unser Leben danach ausrichten.

Familie ist Vielfalt.

Wenn wir die Augen öffnen und unsere Welt bewusst betrachten, bemerken wir schnell, dass es unterschiedliche Familienformen gibt. Von „klassischen“ Vater-Mutter-Kind-Familien und Patchworkfamilien über Alleinerziehende bis hin zu Mehrgenerationenhaushalten und Regenbogenfamilien, Familie ist vor allem eines: Vielfalt. Jedes dieser Modelle hat seine Berechtigung, wenn es den Bedürfnissen und der Selbstbestimmtheit der Beteiligten entspricht. Aus einer psychosozialen Perspektive verstehen wir Familie auch als System und Ort der Verantwortung, Fürsorge und Liebe, weshalb jede*r für sich bestimmen kann, was und wer Familie ist. Was einfach klingt, ist im realen Leben oftmals schwierig. Denn unsere Gesellschaft suggeriert uns nicht selten, dass wir ein gutes Verhältnis zu biologischen Eltern, Geschwistern und Familie haben müssen. Aber was, wenn unsere Familie kein Ort der Verantwortung, Fürsorge und Liebe ist? Was, wenn wir Familie mit schmerzhaften Erinnerungen, seelischen Wunden und negativen Erfahrungen verbinden?

Familie als Belastung.

Das gesellschaftliche Bild von Familie ist nach wie vor historisch geprägt. In einer stark landwirtschaftlich ausgerichteten Bevölkerung, in der große Familien auf einem Hof lebten, war ein Bruch mit der Familie undenkbar und auch aus wirtschaftlichen Gründen meistens kein Thema. Heute haben wir andere gesellschaftliche Strukturen, mehr Individualismus und die Möglichkeit uns selbst zu verwirklichen. Wer auf Dauer merkt, dass der Kontakt zur Familie eine Belastung darstellt oder Wunden der Vergangenheit zu groß sind, der sollte keine Scheue haben, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Bei familiären Themen können ausgebildete Lebens- und Sozialberater*innen helfen. Die eigene Herkunft zu verstehen, das Familiensystem kritisch zu hinterfragen und Rollen systematisch zu analysieren, kann nicht nur befreiend und bereichernd sein, sondern bietet uns auch die Möglichkeit, uns selbst (noch) besser kennenzulernen.

Familie bleibt Familie.

Ganz gleich, wie wir es drehen und wenden: Unsere Familie bleibt unsere Familie. Daher ist es wichtig familiäre Probleme, Wunden oder Traumata nicht zu verdrängen oder zu denken, dass diese durch einen Bruch mit der Familie verschwinden. Wer sich etwa im Rahmen einer psychologischen Beratung mit seiner Vergangenheit versöhnt und lernt damit umzugehen, befreit sich von Zorn, Aggression und Blockaden. Und das ist wichtig für ein zufriedenes Leben. Dabei geht es nicht darum, die Vergangenheit zu beschönigen oder Probleme kleinzureden, sondern sich aktiv damit zu befassen, zu verstehen, dass jeder Fehler macht, und Friede mit seiner Herkunft und letztlich mit sich selbst zu schließen. Mit der Unterstützung von Lebens- und Sozialberater*innen können individuelle Wege, etwa zu mehr gesunder Distanz zu den Eltern oder zur Familie, erarbeitet werden.

Familie aktiv gestalten.

Er ist, wie er ist. Sie wird sich nicht mehr verändern. Das sind halt meine Eltern. Kommen Ihnen diese Aussagen bekannt vor? Aussagen, die wir häufig im Kontext Familie treffen und/oder hören. Aussagen, die eine ohnmächtige, passive Haltung zum Ausdruck bringen, als hätten wir keine Gestaltungsmöglichkeit. Und genau hier liegt das Problem. Denn auch Familie können wir aktiv nach unseren individuellen und kollektiven Bedürfnissen gestalten. Wie? Indem wir ehrlich miteinander sind, miteinander offen kommunizieren und unsere Gefühle zulassen. Nur so geben wir einander die Möglichkeit zu verstehen, zu verändern und zu verbessern.


Silvia Podlisca
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