Vorheriger Eintrag | Nächster Eintrag

Das ICH im WIR – Warum wir uns in einer Partnerschaft hin- und nie aufgeben sollten

Foto Das ICH im WIR – Warum wir uns in einer Partnerschaft hin- und nie aufgeben sollten

Liebe. Manche haben sie bereits gefunden, andere sehnen sich und suchen noch danach. Geliebt und so wie man ist angenommen zu werden, ist ein menschliches Urbedürfnis und prägt in vielerlei Hinsicht unser Verhalten. Doch so schön Partnerschaften auch sind, sie bringen auch Fragen mit sich und erfordern laufend Kompromisse. Im aktuellen Blog schreiben wir über das Ich im Wir und warum wir in Beziehungen nie auf uns selbst vergessen dürfen.

Eine völlig normale Reise.

Das Gefühl verliebt zu sein ist wunderschön. Schmetterlinge im Bauch, Aufregung und die Freude jemanden gefunden zu haben, der sich gut und richtig anfühlt. Der Anfang ist oft eine Zeit des intensiven Kennenlernens, des gemeinsamen Aufbauens und des Genießens. Aus dem Ich oder besser gesagt aus zwei Ichs wird Schritt für Schritt ein Wir. Und das bringt neben zahleichen schönen Seiten auch Herausforderungen mit sich. Wie alles im Leben ist auch eine Beziehung ein konstanter Prozess. Eine Beziehung bleibt nicht stehen, sondern verändert sich im Laufe der Zeit, weil sich auch die Menschen in ihr wandeln. Wenn wir einen Menschen als Partner*in in unser Leben lassen, dann macht das etwas mit uns. Wir öffnen uns, wir teilen unser Leben und wir tragen damit auch eine gewisse Verantwortung. Wir übernehmen neue Ideen, Verhaltensweisen und Perspektiven. Wir müssen unsere Fassade ablegen, uns Kritik stellen und uns mit Streitigkeiten konfrontieren. Und das alles verändert uns und führt uns immer wieder zu den Fragen: Wer bin ich? Wer ist aus mir geworden? Habe ich mich verändert?

Hingeben. Nicht aufgeben.

Viele Menschen geben sich ihrer Partnerschaft voll und ganz hin. Das gemeinsam aufgebaute Leben, die Sicherheit und Angst vor Konflikten haben sie fest im Griff und sorgen dafür ihre individuellen Bedürfnisse im Hintergrund zu halten. Hinzu kommt, dass in Zeiten von Individualismus und Dating-Apps viele lange nach einer Partnerschaft suchen. Wenn sie dann eine Beziehung haben, opfern sie sich voll und ganz auf. Sich der Partnerschaft hinzugeben, sich dieser zu bekennen und sich gegenseitig zu unterstützen, ist gut und richtig. Dennoch gibt es Grenzen, die wir nicht überschreiten sollten. Gleichgewicht ist hier ein wichtiges Stichwort. Es muss ein gewisses Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen der Partner*innen bestehen. Wenn etwa die eine Seite alle Hobbies, Interessen und Freunde zugunsten der anderen Seite aufgibt, dann ist das auf Dauer nicht gut.

Ich bleibe Ich. Und Wir sind Wir.

Das eben erwähnte Gleichgewicht bezieht sich aber auch auf eine Ausgeglichenheit zwischen Ich und Wir. Gemeinsame Zeit und Projekte sind wichtig, aber nicht weniger wichtig ist Raum für einen alleine. Jeder braucht Freiraum, um sich zu ordnen, nachzudenken und um etwas nur für sich zu machen. Fehlt dieser Raum auf Dauer in einer Beziehung birgt dies Konflikt- und Krisengefahren. Auch, wenn wir einer Beziehung einen hohen Stellenwert in unserem Leben einräumen, dürfen wir nicht auf uns vergessen. Ein gewisses Maß an Selbstliebe und Egoismus tut einer Partnerschaft gut, fördert und fordert sie. Wir müssen erkennen, dass es in Ordnung ist, Ich zu bleiben und trotzdem Teil eines Wir zu sein. In vielerlei Hinsicht ist eine Beziehung vergleichbar mit dem Team einer Firma. Es braucht gemeinsam angestrebte Ziele, aber, wenn alle alles auf dieselbe Art und Weise machen, sind die Möglichkeiten irgendwann ausgeschöpft.

Hohe (falsche) Erwartungen.

Der eine geht rechts, der andere links. Der eine möchte ans Meer, der andere in die Berge. Der eine wünscht sich das blaue, der andere das graue Sofa. Meinungsverschiedenheiten gehören zu einer Partnerschaft wie das Riesenrad zu Wien. Das Problem besteht darin, dass wir oft denken, wir müssten uns immer einig sein. Wir denken, wir können Partner*innen von unseren Ansichten überzeugen und sie verändern. Die Folge: Hohe Erwartungen an den anderen, hohe Erwartungen an einen selbst und daraus resultierend letztlich die Gefahr einer Enttäuschung. Das Ziel muss auch hier ein Gleichgewicht im Sinne einer Kompromissfähigkeit sein. Wenn das Ich im Wir bestehen bleibt – und das soll es – dann dürfen wir den anderen nicht verändern, verbiegen und in Schablonen reinpressen. Bei den Erwartungen an Partner*innen flackern oft Muster aus der eigenen Erziehung sowie aus uns vermittelten Grundwerten auf. Jeder hat seinen Hintergrund und seine Geschichte und ist damit anders geprägt. Dahingehend müssen wir uns immer wieder kritisch reflektieren und uns die Frage stellen: Was zählt wirklich, müssen wir wirklich einer Meinung sein und warum liebe ich den anderen?

Ko-Abhängigkeit in Krisen.

Arbeitslosigkeit, finanzielle Schwierigkeiten, Sucht, Krankheit, Todesfälle – Zur Dynamik eines sozialen Gefüges gehören auch Krisen. In turbulenten Lebensphasen müssen wir besonders auf uns achten und uns immer wieder reflektieren, um nicht in eine Ko-Abhängigkeit zu geraten. Wenn etwa Partner*innen durch einen Todesfall in der Familie eine Krise durchleben, brauchen sie selbstverständlich ein offenes Ohr, Verständnis und Unterstützung. Das können wir nur bieten, wenn wir auch auf uns selbst achten. Auf unsere Grenzen, unsere Bedürfnisse und genügend Auszeit, um Energie zu tanken. Was einfach klingt, ist im Alltag oft schwierig, weil das Mitgefühl, die Sorge um Partner*innen und der Wille alles besser zu machen dominieren.

Am Ende bleibt die Eigenverantwortung.

Menschen neigen oft dazu, die Verantwortung abzugeben. An den Vorgesetzten, an die Kolleg*innen, an die Eltern oder eben an Partner*innen. Aber diese Denkweise ist kurzsichtig und bringt uns nicht weiter. Denn die anderen können wir nicht ändern, uns allerdings schon. Trotzdem fordern wir von Partner*innen Dinge ein, knüpfen sie an Bedingungen und schieben die Verantwortung ab. Was daraus folgt sind Sätze wie „Wenn du…, dann…“ oder „Aber du hast…“. Eine Beziehung mag vieles in unserem Leben verändern, eines ändert sie aber gewiss nicht: Die Eigenverantwortung. Am Ende ist und bleibt jeder für sich verantwortlich und damit auch ein Ich im Wir. Diese Einsicht nimmt Druck und sorgt für mehr Leichtigkeit in einer Beziehung.

Ich und Wir und die richtige Kommunikation.

Die Qualität von Partnerschaften hängt stark von der Qualität der Kommunikation ab. Wer miteinander spricht, ermöglicht einander zu verstehen. Wer einander zuhört, kann sich einfühlen. Wer die Bedürfnisse der Partner*innen ernst nimmt, kann darauf reagieren. Wer als Paar Probleme in der Kommunikation oder in Konfliktsituationen hat, der kann auch externe Paarberater*innen hinzuziehen. Eine außenstehende Sichtweise kann unterstützen eingerostete Muster zu lösen, neue Wege zu ebnen und den Dialog in Zukunft zu verbessern. Sich als Paar Hilfe zu suchen ist keine Schande, vielmehr ein Zeichen der Liebe und ein Symbol an der Partnerschaft arbeiten zu wollen. Und genau das zeichnet eine gute Beziehung aus, nämlich Veränderungen anzunehmen, am Ich zu arbeiten und damit auch ein besseres Wir zu erschaffen.


Silvia Podlisca

Mehr zu diesem Thema finden Sie auch in folgenden Blogs:

Vorheriger Eintrag | Nächster Eintrag
Telefon Icon EMail Icon Instagram Icon Facebook Icon Newsletter Icon
Telefon Icon EMail Icon Instagram Icon Facebook Icon Newsletter Icon
Nach oben scrollen