Angehörige von Süchtigen

Wenig ist für Angehörige auf Dauer zermürbender als das Zusammenleben mit einem abhängigen Familienmitglied. Es ist dabei völlig gleichwertig, ob es sich um den alkoholkranken Vater, die medikamentenabhängige Mutter, die shoppingsüchtige Tochter oder den internetabhängigen oder spielsüchtigen Bruder handelt.

Letztlich geht es nicht um die Substanz, von welcher die Angehörigen abhängig sind, denn jede Abhängigkeit bedeutet in letzter Konsequenz den Ruin – sowohl den körperlichen als auch den existenziell-finanziellen. Die ständige Angst um Vater, Mutter, Kinder oder Geschwister, die in eine Abhängigkeit geschlittert sind, ist allgegenwärtig und genauso präsent wie die Sucht an sich. Die Sucht der anderen spielt im Leben von Angehörigen eine mindestens ebenso große Rolle wie für die Betroffenen selbst. 

So betet die ängstliche Ehefrau etwa jeden Abend im Bett, dass ihr Mann nur hoffentlich nicht wieder betrunken von der Feier nach Hause fährt – wie schon so oft. Die Angst, es könnte ihrer großen Liebe etwas geschehen, oder ihr Mann könnte für den Tod eines unschuldigen Verkehrsteilnehmers verantwortlich werden, quält Angehörige mitunter nächtelang.

Gerade wenn die Abhängigkeit uns nahe stehende Menschen betrifft, fällt es schwer, sich abzugrenzen. Häufig wird versucht, die Suchtproblematik in der Familie zu verheimlichen oder – wenn dies nicht mehr möglich ist – zumindest zu bagatellisieren und vor Bekannten klein zu reden. Wer ständig versucht, den Süchtigen zu helfen, läuft nicht nur Gefahr, über Kurz oder Lang mit den eigenen Kräften völlig am Ende zu sein, sondern kann in manchen Fällen selbst erkranken. Co-Abhängigkeit heißt dieses Phänomen, das Angehörige an die Sucht des geliebten Menschen ebenso fesselt, wie die jeweilige Substanz die Abhängigen.

Angehörige von Suchtkranken leiden in manchen Phasen sogar intensiver an der Abhängigkeit des oder der anderen als die Abhängigen selbst an ihrer Sucht leiden. Scham und die Angst, die Betreffenden damit in irgendeiner Art und Weise verraten zu können, verhindern oft, dass sich Angehörige die Hilfe holen, welche für sie dringend notwendig ist. Eine besondere Belastung im Zusammenleben mit Abhängigen sind die oft wiederholten Phasen des Entzugs – mit oder ohne professionelle Hilfe. Sie haben vielleicht schon miterlebt, wie bisherige Selbstversuche Ihres Familienmitgliedes, einen Entzug zu schaffen, gescheitert sind. Sie fühlen sich einem permanenten Wechselspiel von Hoffnung und Enttäuschung ausgeliefert und haben Bedenken, dass Ihnen für einen neuerlichen Versuch schlicht und ergreifend die Kraft fehlt. Gleichzeitig setz Ihnen die seit Kurzem – vorwiegend beim Thema Alkohol –  neu gelebte Philosophie zu, die abhängig machende Substanz nicht vollends auf Null zu setzen. Dieser immer wieder zu beobachtende Umgang mit Abhängigen hilft zwar den Süchtigen kurzfristig, da für diese der absolute und dauerhafte Verzicht als unüberwindbare und unvorstellbare Hürde gilt, für Sie jedoch bedeutet diese Herangehensweise – oftmals berechtigte – Sorgen und Ängste. 

Zu oft haben Sie vielleicht schon beobachtet, wie der abhängige Mensch, dem Sie nahe stehen, bei der ersten Krise wieder einen Rückfall erlebt und der belastende Teufelskreis für Sie von vorne losgeht. Eine solche Krise kann für Süchtige selbst durch den kleinsten Streit entstehen. Dadurch haben Sie vielleicht gelernt, Ihren Partner oder Ihre Partnerin, Ihre Tochter oder Ihren Sohn, Ihren Vater oder Ihre Mutter mit Samthandschuhen anzugreifen – wodurch Sie sich an einem Rückfall mit schuldig fühlen. Diesen Teufelskreis zu durchbrechen erscheint für Sie jetzt vielleicht noch unmöglich, doch es ist machbar. Sich selbst ständig zurück zu nehmen, dient weder Ihnen noch den Abhängigen. Im Gegenteil: Die ständige Rücksichtnahme und der andauernde Verzicht auf die eigenen Bedürfnisse geht letztlich immer zu Lasten Ihrer Gesundheit. Und dies ist ein zu hoher Preis für Sie!

Ich möchte nochmals erwähnen, dass das Zusammenleben mit einem oder einer Abhängigen zu den zermürbendsten und kräfteraubendsten Belastungen im Alltag gehört– ähnlich wie das gemeinsame Leben mit Depressiven oder schwer kranken Menschen. Gerade bei diesem Thema möchte ich die strenge Verschwiegenheit, der ich unterliege, noch einmal besonders betonen.

Hier bei mir am IFGE stehen Sie mit Ihren Gedanken, Wünschen, Sorgen, Ängsten und Hoffnungen im Vordergrund. Sie finden hier einen Raum, an dem Sie nicht stark oder vorsichtig sein oder sich rechtfertigen müssen, sondern an dem Sie Platz für Sie ganz persönlich haben. Hier dürfen Sie einfach alles sagen, wonach Ihnen gerade ist. Dadurch finden Sie in der Beratung neue Möglichkeiten und individuelle Lösungen, wie Sie mit Ihrem Thema in Zukunft auf eine für Sie gesunde und stärkende Weise umgehen können.

In der tiergestützten Variante der psychologischen Beratung erleben Sie – wenn Sie dies möchten – Ihre Beratungseinheit im Beisein der beiden Beratungshunde Pluto und Sally sowie der drei Insitutskatzen, die durch ihre unterschiedlichen Charaktere Ihren Prozess immer wieder zu unterstützen wissen. Die Tiere spenden Ihnen dabei in aufwühlenden Phasen Ihrer Beratung nicht nur Trost, sondern vermitteln durch ihr gesamtes Verhalten, dass SIE nun wichtig sind. Sie geben Halt, strahlen Ruhe aus und helfen Ihnen, zu erkennen, wo Ihre vordergründigen Wünsche mit ihrem unbewussten Verhalten vielleicht bisher wenig übereinstimmend waren. So führen die Hunde ein von Ihnen gewünschtes Kommando beispielsweise nur dann aus, wenn Ihre Körperhaltung und Stimme mit dem übereinstimmt, was Sie wünschen. Die Institutstiere fördern dabei Ihre Fähigkeit, bisher zurück Gehaltenes zuzulassen, um dadurch letztlich ganz spielerisch neue Sichtweisen und Lösungen für Ihr Anliegen zu entdecken.


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