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Streit, Diskussion, Konflikte: Wenn es in Beziehungen kriselt!

Foto Streit, Diskussion, Konflikte: Wenn es in Beziehungen kriselt!

Wir streiten, diskutieren und beschuldigen. Wir fordern, erwarten und klagen. Ja, Beziehungen sind nicht immer einfach und wie alles im Leben nicht vor Krisen und Konflikten bewahrt. Im aktuellen Blog schreiben wir zum Thema Streit in Beziehungen. Wir stellen uns die Frage, welche Themen zu Konflikten führen, was in Krisen unternommen werden kann und was am Ende zählt.

Alltag, Herkunft, Pandemie: Gründe für Streit sind vielfältig.

Die Ursachen von Konflikten sind vielfältig. Häufig ist der bloße Alltag und die damit verbundene Routine Grund für Streit. Wer geht mit dem Hund? Wer räumt die Spülmaschine aus? Wie sehen die Pläne für das nächste Wochenende aus? So banal diese Fragen auch klingen mögen, Aufgaben, Aufteilung und Alltag sind nicht selten Quelle von Beziehungskrisen. Hinzu kommt, dass in Beziehungen Individuen zusammenleben, die auf eine unterschiedliche Geschichte, Herkunft und Sozialisation zurückblicken. Manche Werte haben wir von klein auf tief in uns verankert, weshalb sie unser Verhalten auch im Erwachsenenalter prägen, ob bewusst oder unbewusst. Auch die noch immer allgegenwärtige COVID-19-Pandemie stellt Paare vor Herausforderungen. Wenn auf einmal jeder von zuhause aus arbeitet, Kinder im Homeschooling sind und der wichtige Freizeitausgleich einem Lockdown zum Opfer fällt, sind Reibereien und Streitigkeiten häufig vorprogrammiert.

Streit: Wie viel ist normal?

Meinungsverschiedenheiten, Diskussionen und Konflikte sind Teil zwischenmenschlicher Beziehungen und damit auch von Liebesbeziehungen. Die Frage ist allerdings: Wie viel Streit ist normal? Oder andersrum: Wann ist ein Punkt erreicht, an dem es berechtigt ist, eine Paarbeziehung in Frage zu stellen? Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Denn so unterschiedlich wie einzelne Menschen, sind auch Beziehungen. Paare unterscheiden sich in ihrem Streitverhalten und damit auch in ihrer Wahrnehmung, was als „normal“ und was als „zu viel“ gilt. Es ist also eine Frage des individuellen und gemeinsamen Empfindens und Erlebens.

Opferhaltung: Warum das wenig bringt.

Viele Menschen neigen in Konfliktsituationen zu einer Opferhaltung. Sie fühlen sich von Partner*innen missverstanden, zu wenig ernstgenommen und wünschen sich, dass diese den ersten Schritt zur Versöhnung machen. Kein Wunder, denn die Opferhaltung ist bequem, weil wir die Verantwortung dem Gegenüber zuschreiben. Allerdings ist diese Sichtweise wenig lösungsorientiert. Denn, wenn uns etwas stört, dann sind auch wir dafür verantwortlich, das zu kommunizieren und auszudrücken. Streit in Beziehungen bzw. dessen Bewältigung braucht vor allem eines: Initiative. Und diese können wir nicht nur von unseren Partner*innen erwarten, sondern müssen wir auch selbst ergreifen.

Streit in der Beziehung: Was tun?

Wichtig ist, dass Gefühle, Ängste und Sorgen in Beziehungen offen angesprochen werden. Nur durch eine offene Kommunikation kann vermieden werden, dass sich Wut aufstaut und in Streitigkeiten endet. Kommt es dennoch zu Konflikten, ist ebenfalls Kommunikation der Weg aus der Krise. Das ist natürlich oft leichter gesagt als getan. Umso wichtiger, dass Paare nicht davor zurückscheuen Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wenn man merkt, dass Worte keine Wirkung erzielen, man als Paar auf der Stelle tritt und langfristig immer wieder dieselben Streitthemen aufkommen, können Lebens- und Sozialberater*innen oder spezialisierte Paarberater*innen unterstützen. Den Blick von außen, eine neutrale Sicht auf die Dinge sowie das Arbeiten an der Beziehung in einem geschützten und unbelasteten Raum braucht es manchmal um aus festgeprägten Denkmustern und eingeschweißten Alltagsmustern auszubrechen.

Dialog statt Monolog: Konflikte und Kommunikation.

Ausgebildete Expert*innen können unterstützen, dass aus einem Monolog ein Dialog wird. Und genau den braucht es für eine funktionierende Beziehung. Denn häufig zeigt sich in Streitsituationen bei Paaren folgendes Muster: Während eine*r mehr die aktivere Rolle einnimmt, angriffslustiger ist und viel redet, zieht sich der/die andere zurück, bleibt eher still und passiv. Wichtig ist aber, dass beide Parteien ihre Sichtweise teilen, auch die unangenehmen Fragen und Themen angesprochen werden, jede*r ehrlich ist und keine Resignation eintritt. Dann können Konflikte gelöst und Zukunftswege geebnet werden.

Streit: Nicht gleich die Beziehung in Frage stellen.

In hitzigen Diskussionen, emotionalen Gesprächen und aufgeladenen Situationen neigen wir schnell dazu „aus einer Mücke einen Elefanten zu machen.“ In Bezug auf unsere Partner*innen bedeutet das, dass wir manchmal zu voreilig die Beziehung in Frage stellen. Dann ist es wichtig, einmal tief durchzuatmen, Ruhe zu finden und nicht unüberlegt Anschuldigungen in den Raum zu stellen. Mit ein wenig Abstand gelingt es häufig, uns wieder auf das Schöne in der Beziehung zu besinnen und uns zu erinnern, warum unsere Partner*innen an unserer Seite sind.

Beziehung: Eine Frage des Willens.

Jede Beziehung erlebt einmal Streit oder Krisen. Genauso normal ist es, dass wir uns als Menschen manchmal die Frage stellen, inwieweit uns unsere Beziehung (noch) glücklich macht, was uns stört und welche Veränderungen wir uns wünschen würden. Diese Gedanken sind menschlich und können auch zum Fortschritt einer Beziehung beitragen. In Krisen- und Konfliktsituationen, in denen Paare auf die Probe gestellt werden, zählt vor allem eines: Der Wille. Der Wille, an der Beziehung zu arbeiten. Der Wille, eine Lösung zu finden. Der Wille, Kompromisse einzugehen. Fehlt dieser Wille, ist es wesentlich schwieriger eine Beziehung zu retten.


Silvia Podlisca

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