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Die Zukunft der Arbeitswelt: Wandel, Werte und Wichtigkeit psychosozialer Berufe.

Foto Die Zukunft der Arbeitswelt: Wandel, Werte und Wichtigkeit psychosozialer Berufe.

So alt wie die Menschheit ist auch die Arbeit. Der Mensch hat immer schon auf eine Art und Weise gearbeitet. Der Mensch schafft die Arbeitswelt, die aber wiederum die Menschheit in ihrer Entwicklung beeinflusst.

Im aktuellen Block werfen wir einen Blick in die Vergangenheit und in die Zukunft unserer Arbeitswelt und stellen uns der Frage, weshalb psychosoziale Berufe immer wichtiger werden.

Ein Blick zurück: Wie haben Menschen eigentlich früher gearbeitet?

Historisch betrachtet löste die Landwirtschaft die Jäger*innen und Sammler*innen ab. Die Arbeit der Menschen bestand überwiegend darin für den Eigenbedarf Vieh zu halten, Gemüse anzubauen und Acker zu bewirtschaften. Arbeit und Privatleben waren eng miteinander verknüpft. Eine Trennung von Beruf und Freizeit so wie heute gab es de facto nicht. Das wandelte sich allerdings im Zuge der industriellen Revolution, welche die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse nachhaltig veränderte. Immer mehr Menschen begannen in Industrien zu arbeiten. Damit verdienten sie Geld, um welches sie Lebensmittel kaufen konnten und daher mussten diese nicht mehr selbst hergestellt werden. Eine weitere wesentliche Revolution der Arbeitswelt, die noch gar nicht so lange her ist, stellt die Digitalisierung dar. Maschinen, das Web und neue Kommunikationswege haben die Arbeitswelt signifikant verändert.

Was sich (nicht) verändert hat.

Heute arbeiten die Menschen anders. Die Arbeitsverhältnisse werden flexibler, vielfältiger und individueller. Trotzdem hat Arbeit immer noch einen wichtigen Stellenwert für das Individuum und für die Gesellschaft. Arbeit schafft nicht nur Einkommen, sondern auch Selbstwert und Anerkennung. Die Anforderungen sind heute in zweierlei Hinsicht sehr hoch: Einerseits die Erwartungen des Arbeitsmarktes an die Berufstätigen, die stets verfügbar, immer leistungsbereit und loyal sein sollen. Andererseits die Erwartungen, die wir selbst an uns stellen. Und hier spüren immer mehr Menschen das Verlangen selbstbestimmter, freier und glücklicher zu arbeiten. Wir möchten nicht mehr in die Fußstapfen unserer Eltern treten, ein Leben lang in derselben Firma arbeiten und den klassische Acht-Stunden-Arbeitstag runterspulen. Möglicherweise haben Menschen auch früher schon so empfunden, aber heute ist der Mut zur Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung größer und die Möglichkeiten Träume zu verwirklichen vielfältiger.

Neue Werte fordern eine neue Arbeitswelt.

Ganz klar, die Werte haben sich in allen Lebensbereichen gewandelt. Familienformen sind heute vielfältiger denn je, Lebensläufe individueller und auch die Werte der Arbeitswelt sind anders. Immer mehr Menschen möchten sich nicht nur beruflich selbst verwirklichen, sondern vor allem auch einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen. Es besteht der Wunsch mit seinem Beruf etwas zu bewirken, etwas zu schaffen und etwas zu gestalten. Nicht nur im Hinblick auf wirtschaftliche Zahlen und materielle Gegenstände, sondern immer mehr im sozialen Bereich. Vielleicht liegt der Grund in der steigenden Digitalisierung, Anonymisierung und Individualisierung. Vielleicht aber auch ganz tief im menschlichen Naturell, an der Tatsache, dass wir soziale Wesen sind und gerne mit anderen Menschen (zusammen-)arbeiten.

Beratung, Bildung, Reisen – Trend in Richtung sinnstiftender Märkte.

Die industrielle Revolution und auch die Digitalisierung haben aus unserer Gesellschaft eine Konsumgesellschaft gemacht. Wir bestellen, kaufen und konsumieren. Fast immer und fast überall. Doch wir erkennen auch einen Gegentrend. Immer mehr Menschen kehren dem übermäßigen Konsum den Rücken und sind materiell gesättigt. Dadurch steigt die Nachfrage auf sinnstiftenden Märkten, wie Selbsterfahrung, Lebensberatung, Weiterbildung, Erlebnisse oder Reisen. Anstatt das tausendste T-Shirt zu kaufen, das Smartphone nach wenigen Monaten auszutauschen oder sinnlose Plastikgegenstände anzuschaffen, investieren immer mehr Menschen in sich selbst, in ihre Selbstfindung, in Aus- und Weiterbildung sowie in ihre sozialen Beziehungen. Wir möchten uns selbst, unsere Möglichkeiten und die Welt entdecken. Das ist nicht nur besser für unsere Umwelt und unseren Planeten, sondern auch für uns selbst. Denn nicht umsonst kommt Glücklichsein von innen und kann durch materiellen Konsum nicht langfristig geschaffen werden.

Startschuss für die Entstehung neuer Berufsfelder.

Mit diesen Entwicklungen wurde der Weg für viele neue Berufsbilder geebnet. Lebensberatung, tiergestützte Beratung, Sexualcoaching, Teambuilding oder Supervisionen sind nur Beispiele für Berufsfelder, die durch die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen entstanden sind. Die Nachfrage nach Beratung, Selbsterfahrung und Ausbildung steigt aber nicht nur wegen einem stärkeren Streben nach Selbstverwirklichung, sondern auch aufgrund einer höheren gesellschaftlichen Akzeptanz. Was früher als „unnötig“, „esoterisch“ oder „dubios“ abgetan wurde, ist heute in der Gesellschaft angekommen. Und das ist gut so, denn Investitionen in sich, sein Leben und sein Wohlbefinden sind niemals ein Fehler. Auch die Lebensumstände tragen dazu bei, dass immer mehr Leute Beratungs- und Coachingleistungen in Anspruch nehmen. Denn der Druck in der heutigen Gesellschaft ist groß und vielen fehlt Ausgleich sowie der Raum für Reflexion. Im Vergleich zu unseren Vorgängern, etwa Jäger*innen, Sammler*innen oder Landwirt*innen, sind wir weniger draußen an der frischen Luft, haben weniger Raum für Regeneration und möchten uns ständig selbst optimieren.

Wo finden wir noch Raum für uns?

Jede Zeit hat ihre Vor- und Nachteile. Die Arbeitswelt und ihre Werte haben sich verändert, aber Herausforderungen, wenn auch andere, bleiben bestehen. Heute leiden viele Berufstätige unter der ständigen Erreichbarkeit, unter der Angst dem Leistungsanspruch nicht gerecht zu werden oder dem wirtschaftlichen Kostendruck zum Opfer zu fallen. Der Arbeitstag ist durchgetaktet und so auch unser Privatleben, in dem wir so viel wie möglich unternehmen, vereinbaren und erleben möchten. Oft stellt sich dann die Frage, wo wir überhaupt noch Platz für uns selbst finden? Und damit ist nicht das nächste Abendessen mit Freund*innen, der nächste Yoga-Kurs oder ein Kurztrip nach London gemeint. Nein, sondern Zeit für sich. Zeit, um zu reflektieren, Gedanken zu ordnen und Bedürfnisse wahrzunehmen. Immer mehr Menschen finden Raum dafür in der Beratung, Supervisionoder ähnlichen Settings.

Psychosoziale Berufe sind Zukunftsberufe.

Die skizzierten Entwicklungen verdeutlichen, dass psychosoziale Berufe auch in Zukunft an Bedeutung gewinnen werden. Damit steigt auch der Bedarf an kompetenten Berater*innen, welche dieser Entwicklung Rechnung tragen. Wichtig ist daher, dass ausreichend, hochwertige Aus- und Weiterbildungsprogramme etabliert werden. Coaching, Beratung und generell soziale Berufe brauchen nicht nur Empathie, Intuition und Menschlichkeit, sondern auch ein hohes Maß an fachlicher Methodenkompetenz und fundiertem Background. So wie sich der Mensch laufend ändert, wandeln sich auch Berufsfelder und damit psychosoziale Berufsbilder, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren. Auch, wenn sich die Themen ändern, eines ändert sich nicht: Und zwar die Bedeutung der Beratung und Selbsterfahrung. Denn es gibt keine Menschheit ohne individuelle sowie kollektive Veränderung, Herausforderungen und Bedürfnisse.


Silvia Podlisca

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