Psychologische Beratung: Was genau ist denn das?

Psychotherapie? Psychologie? Klinische Psychologie? Psychologische Beratung? Psychiatrie? Hä? Es gibt so viele Gesundheitsangebote, die mit PSYCH beginnen!

 

Hinter jedem steckt etwas anderes.

 

Was genau das ist und wo die jeweiligen Stärken und Grenzen liegen, lesen Sie hier.

 

Beratungs-, Therapie- und Arztangebote gibt es viele. Vor allem bei Worten, die mit PSYCH beginnen, ist die Verwirrung daher oftmals groß. Was ist jetzt was? Und wo bin ich am besten aufgehoben? Und was entspricht eher weniger dem, was ich mir an Hilfestellung erwarte? Die Fragen rund um den Bereich der psychosozialen Angebote sind breit gefächert, denn die Begriffe klingen durchaus ähnlich. Wir haben daher hier für Sie einen übersichtlichen und umfassenden Überblick zusammengestellt, mit dem Sie in Zukunft diese Fragen für sich ganz einfach beantworten können.

Wer ist Psychologe oder Psychologin?

Als PsychologInnen dürfen sich alle Personen bezeichnen, die ein Psychologiestudium erfolgreich abgeschlossen haben. Während des Studiums beschäftigen sich angehende PsychologInnen wissenschaftlich mit den theoretischen Zusammenhängen der menschlichen Seele.

Wie sieht das Arbeitsfeld aus?

PsychologInnen arbeiten in zahlreichen Bereichen und stellen ihr Wissen über die menschliche Psyche oftmals in den Dienst eines Spezialgebiets. So gibt es etwa VerkehrspsychologInnen, ArbeitspsychologInnen oder ErnährungspsychologInnen.

 

Was sind die Stärken der PsychologInnen?

PsychologInnen haben eine umfassende Kenntnis über die Zusammenhänge der menschlichen Seele. Daher liegen ihre Stärken vor allem in der wissenschaftlichen Beschäftigung mit psychologischen Elementen. Dazu gehört beispielsweise auch die Entwicklung bestimmter psychologischer Tests, die zur Auswertung von psychischen Erkrankungen herangezogen werden.

 

Was sind die Grenzen der PsychologInnen?

Ohne weitere Fortbildung oder Zusatzausbildung in der praktischen Gesprächsführung mit KlientInnen dürfen PsychologInnen keine eigene Praxis eröffnen. Einige PsychologInnen absolvieren daher Zusatzausbildungen zum/zur klinischen PsychologIn (siehe nächster Punkt), bilden sich zu PsychotherapeutInnen weiter oder setzen andere zusätzliche Ausbildungsschwerpunkte nach dem Psychologiestudium.

Wer ist Klinischer Psychologe oder klinische Psychologin?

Klinische PsychologInnen haben Psychologie studiert und im Anschluss eine weitere Ausbildung – eine sogenannte postgraduale klinisch-psychologische Fachausbildung – absolviert. Sie arbeiten oftmals in Krankenhäusern, können aber genauso gut in eigener Praxis tätig sein.

 

Wie sieht das Arbeitsfeld aus?

Klinische PsychologInnen gelten als Vertreter der angewandten Psychologie. Sie setzen ihre Informationen rund um Theorien, Methoden und Techniken der psychologischen Wissenschaft aktiv für KlientInnen ein.

 

Was sind die Stärken der Klinischen PsychologInnen?

Klinische PsychologInnen sind besonders wichtig, wenn es um Diagnosen der Psyche geht. Neben der Erstellung dieser Diagnosen, für die oft die von PsychologInnen erstellten Kataloge herangezogen werden, sind klinische PsychologInnen vor allem auch in der Gutachtenerstellung und im Erstellen von psychologischen Befunden tätig.

 

Was sind die Grenzen der Klinischen PsychologInnen?

Klinische PsychologInnen sind keine ÄrztInnen, auch wenn das Wort „klinisch“ dazu verleitet, es anzunehmen. Das bedeutet: Wenn PatientInnen aufgrund organischer Ursachen – wie Fehlfunktionen im Gehirn – an psychischen Auffälligkeiten leiden, werden klinische PsychologInnen zusätzlich mit ÄrztInnen zusammen arbeiten. Beispielsweise mit PsychiaterInnen (siehe unten).

Wer ist Psychotherapeut oder Psychotherapeutin?

PsychotherapeutInnen durchlaufen in Österreich eine besonders lange, zweistufige Ausbildung. Nach dem sogenannten Propädeutikum müssen Personen, die Psychotherapie anbieten möchten, noch das Fachspezifikum absolvieren je nachdem, auf welche Therapierichtung sie sich spezialisieren wollen. Die Ausbildung dauert mehrere Jahre und erfordert einen besonders großen theoretischen und praktischen Lernaufwand.

 

Wie sieht das Arbeitsfeld aus?

PsychotherapeutInnen sind in unterschiedlichsten Bereichen tätig. Nach der gesetzlichen Eintragung in die PsychotherapeutInnenliste können sie sowohl in vielfältigen Gesundheitsunternehmen angestellt werden oder sich mit einer Praxis niederlassen. Dabei gibt es eine Vielzahl an Fachrichtungen und Methoden: Die wohl bekanntesten sind die Psychoanalyse, die Verhaltenstherapie und die systemische Therapie.

 

Was sind die Stärken der PsychotherapeutInnen?

PsychotherapeutInnen aller Fachrichtungen haben ein umfassendes Wissen über menschliche Störungen und Erkrankungen auf der psychischen Ebene. Sie stellen demnach Diagnosen und sind dabei befähigt, die diagnostizierten Erkrankungen und Störungen mit den anerkannten und in Österreich zugelassenen Methoden zu behandeln.

 

Was sind die Grenzen der PsychotherapeutInnen?

Auch wenn PsychotherapeutInnen Erkrankungen wie eine Depression oder Angststörung diagnostizieren und diese therapeutisch behandeln dürfen, ist es ihnen nicht erlaubt, Medikamente gegen Depressionen oder gegen Angst zu verschreiben. Benötigen KlientInnen zusätzlich zur Psychotherapie Medikamente, so müssen PsychotherapeutInnen an einen Arzt verweisen.

Wer ist psychologischer Berater oder psychologische Beraterin?

Psychologische BeraterInnen sind all jene, die eine fünf Semester andauernde Ausbildung bei einem anerkannten Lehrinstitut mit Erfolg absolviert haben und parallel oder im Anschluss knapp 800 Stunden fachlicher Tätigkeit nachgegangen sind. Die psychologische Beratung – auch Lebens- und Sozialberatung – ist ein geschütztes Gewerbe, das der Wirtschaftskammer unterliegt. Diese sorgt für die Einhaltung von Qualitätsstandards in dem Berufsfeld.

 

Wie sieht das Arbeitsfeld aus?

Psychologische BeraterInnen arbeiten in unterschiedlichen psychosozialen Einrichtungen oder selbstständig in einer eigenen Praxis. Das Arbeitsfeld der psychologischen BeraterInnen ist ein sehr breites und reicht von der Einzelberatung bei belastenden Situationen oder bei Entscheidungsschwierigkeiten über Paar- und Sexualberatung bis hin zu Krisenintervention, Trauerbegleitung oder Coaching.

 

Was sind die Stärken der psychologischen BeraterInnen?

Psychologische BeraterInnen konzentrieren sich stark auf das Hier und Jetzt und unterstützen KlientInnen in aktuellen Problemsituationen. Sie versuchen, dabei so viel von der Vergangenheit der KlientInnen, wie nötig einzubauen, aber so wenig, wie möglich, damit ihre KlientInnen rasch im aktuellen Leben neue Sichtweisen und Lösungsansätze entwickeln können. Dabei arbeiten sie mit den unterschiedlichsten Methoden der Psychotherapie. Die besondere Stärke der psychologischen Beratung liegt in der Prävention von psychischen Erkrankungen. In der psychologischen Beratung arbeiten also professionell ausgebildete Menschen mit gesunden Menschen daran, dass diese ihre seelische Gesundheit langfristig erhalten.

 

Was sind die Grenzen der Psychologischen BeraterInnen?

Auch wenn psychologische BeraterInnen mit den Methoden der Psychotherapie arbeiten, haben Sie nicht deren Befugnis, Diagnosen zu stellen oder mit Menschen zu arbeiten, die bereits eine psychische Erkrankungen oder Störung entwickelt haben. In diesem Fall verweisen Lebens- und SozialberaterInnen an PsychotherapeutInnen oder ÄrztInnen.

Wer ist Psychiater oder Psychiaterin?

PsychiaterInnen werden ebenso gerne in einem Atemzug mit PsychologInnen, Klinischen PsychologInnen, PsychotherapeutInnen oder Lebens- und SozialberaterInnen – psychologischen BeraterInnen genannt. Dabei unterscheidet sich ihr Berufsbild ganz grundlegend von den vier erstgenannten. Denn PsychiaterInnen sind in erster Linie ÄrztInnen. Diese haben sich als FachärztInnen auf die Diagnose und Behandlung psychischer Erkrankungen spezialisiert. Die Psychiatrie hat sich dabei aus dem Fachgebiet der Neurologie entwickelt. Als ÄrztInnen absolvieren PsychiaterInnen dennoch oftmals psychologische oder psychotherapeutische Zusatzausbildungen. In der Psychiatrie werden Störungen und seelische Erkrankungen demnach vorwiegend organisch betrachtet, wodurch hier auch das Verschreiben von Medikamenten immer wieder als wesentlicher Teil der Behandlung zum Einsatz kommt.