Ghosting

 

„Ghosting“ hat seinen Wortstamm in der englischen Sprache und bezieht sich auf den „Geist“ („ghost“). Gemeint ist damit das freiwillige und unvorhersehbare Verschwinden einer Person aus dem gemeinsamen Leben.

 

Im digitalen und schnelllebigen Zeitalter ist es durch das Internet leicht möglich neue Kontakte und Freundschaften zu knüpfen. Die Verbindlichkeit dieser Beziehungen basiert jedoch auch auf der digitalen Anonymität, persönlich trifft man sich selten oder nie. Dadurch ist es leichter wie ein Geist („ghost“) zu verschwinden und den Kontakt abzubrechen indem Nachrichten oder Anrufe ignoriert werden. WhatsApp, Facebook und Co. bieten die Option, Kontakte auszublenden oder zu blockieren. Damit bleibt der digitale Weg versperrt. Immer mehr, vor allem junge Menschen, reagieren mit „ghosting“ und entziehen sich der Kommunikation.    

 

Gründe 

Vor der Digitalisierung fanden Liebschaften und  Bettgeschichten im engeren Umfeld statt - Bekannte von Freunden, Nachbarn oder Arbeitskollegen. Durch Dating-Seiten im Internet wird die Hemmschwelle des Erstkontaktes gesenkt, jedoch auch die Hemmschwelle sich dem Ganzen wieder zu entziehen, da die Begegnung weitestgehend anonym bleibt. Die Gründe für „ghosting“ sind vielschichtig. Ein sich anbahnender Streit oder eine anstehende Aussprache können Anlass sein, sich dem befürchteten Drama zu entziehen und gar nicht mehr zu reagieren.

 

Zeitpunkt

Tendenziell  findet „ghosting“ am Ende der ersten Phase des Kennenlernens statt, wenn nächste Schritte anstehen, wie zum Beispiel diese Beziehung weiter zu definieren.  Das Verhalten ist jedoch nicht auf Romanzen beschränkt - eine Kolumnistin des "Cosmopolitan" beschreibt, wie sie von ihrer besten Freundin plötzlich ignoriert wurde und nie mehr Kontakt mit ihr hatte.

„Ghosting“ tritt vermehrt auch in langjährigen Partnerschaften oder Freundschaften auf. Man kennt sich und hat eine gemeinsame Zeit miteinander verbracht, von einem Tag auf den anderen werden Nachrichten nicht mehr beantwortet und  Anrufe ignoriert.

 

Der Geist

Der „ghost“, jene Person, die sich entzieht hält das Zepter in der Hand und setzt durch ihren Entzug eine starke passiv-aggressive Handlung. Die verlassene Person hat keine Möglichkeit mehr, den Konflikt auszutragen, diese wichtige Erfahrung und Chance wird durch den „ghost“ genommen.

„Ghosting“ stellt für den Geist fehlende soziale Kompetenz dar, er oder sie kann sich dem Konflikt nicht stellen, kennt seine/ihre Ressourcen und Fähigkeiten um das Problem zu lösen nicht. Vor allem für Jugendliche kann ein entziehendes Verhalten (fehl)prägend für die Entwicklung werden. Spätere Konflikte am Arbeitsplatz oder in Partnerschaften können nicht durch „ghosting“ gelöst werden.

Der Grundstein zu unserem Konfliktverhalten wird bereits in frühester Kindheit gelegt. Wer als Kind zu eigenständigem Handeln und zur Selbstständigkeit ermuntert wurde und erfuhr, dass seine Bedürfnisse ernst genommen wurden, tut sich offenbar später leichter, Differenzen mit anderen Menschen friedlich zu regeln. Positiv wirken sich zusätzlich soziales Denken und die Fähigkeit aus, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und mit ihnen zu fühlen. Dies bezeichnet man als Empathie.

 

Konflikte & Bewältigung

Konflikte können sich in zwei Richtungen entwickeln: bei nicht gelösten Konflikten, die sich weiterentwickeln, können Lebenskrisen entstehen oder bei der Lösung eines Konfliktes kann es zur Entdeckung neuer Ressourcen und Fähigkeiten kommen.

Eine Grundvoraussetzung für das Bewältigen eines Konfliktes, ist die Bereitschaft dazu. Denn Wegsehen oder Verdrängen haben noch keinen Konflikt wirklich beendet. Und destruktive Kommunikation der Strategie "Der/die Stärkere/ Mächtigere gewinnt" genauso wenig.

Um erfolgreiche Konflikte zu bewältigen, können Kommunikationstechniken eingeübt, das Zuhören verbessert und das Umgehen mit den eigenen Gefühlen bewusster gemacht werden. Auch sich anderen gegenüber öffnen, Freundlichkeit, Wohlwollen und Rücksichtnahme ausstrahlen, ist wichtig für ein positives Konfliktmanagement.

 

Akzeptanz

Greg Behrendt, Autor von Sachbüchern zum Liebesverhalten der US-Bevölkerung, meint jedoch, dass wenn man „nicht zurückschreibt“, dieses Verhalten nicht groß analysieren müsse: „Wenn dich jemand nicht anschreibt und du siehst, er hat deine Nachricht gelesen, dann solltest du verstehen, was Sache ist.“ Er ruft, wie die Autorin Amanda Hess, sogar zu einer Akzeptanz dieser Verhaltensweise auf: Wenn man alle Chats selbst veranlassen müsse, dann "steht die andere Person wohl nicht besonders auf dich" – und wenn sie gar nicht zurückschreibt, "dann mag sie dich überhaupt nicht", so Hess.

 

Ungesundes Verhalten

Psychologisch betrachtet, ist „ghosting“ ein ungesundes Verhalten für alle Betroffenen. Durch eine klare Aussprache fällt der Abschluss leichter und die getrennten Partner können weiterziehen. Bei „ghosting“ kommt es zu einer Phase des Hinterfragens und Zweifelns – „Hat er/sie gerade zu viel zu tun?“, „Ist sein/ihr Mobiltelefon kaputt?“, „Vielleicht hat er meine Nachricht noch nicht gelesen?“. Diese Gedanken können zermürben, psychologische Hilfe, um Klarheit zu schaffen kann in diesem Prozess unterstützen.

 

Quellen:

http://derstandard.at/2000031847380/Ghosting-Wenn-der-andere-ploetzlich-nicht-mehr-zurueckschreibt

 

http://konfliktberatung.univie.ac.at/grundlagen-ueber-konflikte/

 

Skript IFGE ‚Krisenintervention‘ - http://web.utanet.at/stanglyc/psychoblogger/2006/06/konfliktfhigkeit.html

 

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