Psychohygiene oder der Weg zu mehr Wohlbefinden und Gelassenheit

Der Frühling weckt oft den Wunsch in uns, nach der meist sehr „nahrungsintensiven“ und eher bewegungsfaulen Zeit des Winters, unseren Körper wieder in Schwung zu bringen. Genauso wie der Körper sich darüber freut, zu entlassen, was ihm nicht dient und ihn in seiner Bewegungsfreiheit einschränkt, gilt dies vergleichsweise auch für unsere Psyche bzw. unser Innenleben.

 

Wieso ist es meist nur selbstverständlich für uns, unseren Körper regelmäßig zu reinigen und so gut wie möglich auf ihn zu achten? Unsere Psyche ist wie unser Körper ein Teil von uns und so selbstverständlich es für uns ist, uns für unser körperliches Wohlbefinden um unseren Körper zu kümmern, genauso wichtig ist die tägliche Psychohygiene für unsere seelische Gesundheit.

 

Was versteht man unter Psychohygiene?

Unter Psychohygiene versteht man alle Maßnahmen, die zur Erhaltung und Verbesserung des eigenen Wohlbefindens und der psychischen Gesundheit beitragen. Psychohygiene kann erleichternd wirken und das Gefühl von Unbeschwertheit vermitteln. Es geht darum, seine eigenen Kraftquellen und Grenzen zu kennen und auf seine Bedürfnisse zu achten. Was mir gut tut, muss an oberster Stelle stehen. Oft lebt man getrieben von seinen Verpflichtungen und To Dos nur so vor sich hin und erkennt gar nicht die hohe Bedeutung und Auswirkung der seelischen Gesundheit auf das gesamte Leben. Die psychischen Erkrankungen sind jedoch stark im Ansteigen begriffen – laut der Weltgesundheitsorganisation WHO wird seelisches Leid die größte Gesundheitsgefahr im 21. Jahrhundert für Industriestaaten darstellen. Die Psychohygiene gewinnt dadurch an zentraler Bedeutung.

 

Wir sind täglich schädigenden Faktoren wie Umweltbelastungen, Stress, ewig wiederkehrenden Sorgen, Angstgefühlen, Verkehrschaos u.ä. ausgesetzt. Die Psychohygiene wirkt hier als Gegenpol, indem sie den alltäglichen Belastungen vorbeugend und entlastend entgegenwirkt. Durch psychohygienische Maßnahmen wird man widerstandsfähiger gegenüber privaten und beruflichen Belastungen und kann besser mit Stress umgehen.

 

Vorgehen der Psychohygiene
Ein wichtiger Begriff in der Psychohygiene ist Achtsamkeit. Bevor man seine Psyche von negativen Belastungen befreien kann, muss man sich darüber erst einmal bewusst werden. Achtsamkeit bedingt allerdings einen entspannten Zustand – nur wenn man eine gewisse Entspannung erreicht hat, wird man über die Ruhe verfügen, sich bewusst mit seinen Gefühlen auseinanderzusetzen. Entspannung kann z.B. über Atemübungen, Meditation oder körperlicher Betätigung wie Tanzen oder einem netten Spaziergang erreicht werden. Der entspannte Zustand macht dann möglich, seinen negativen Gefühlen und Sorgen achtsam zu begegnen, diese zu identifizieren und aufzudecken, was genau einen eigentlich so beschäftigt oder z.B. nicht schlafen lässt.

 

Hilfreiche Fragen, die man sich regelmäßig stellen kann, wären z.B. „Was hat mich heute glücklich/unglücklich gemacht?“ oder „In welcher Situation war ich heute traurig/ängstlich/nervös/zufrieden/entspannt?“. Man kann sich ein Tagebuch anfertigen und sich vornehmen, diese Fragen zumindest an 1-2 Tagen pro Woche für sich zu beantworten. Bereits das Auseinandersetzen und sich selber achtsame Begegnen birgt bereits eine entlastende Wirkung. Man kann sich sein Tagebuch nach einer Zeit durchlesen, um zu sehen, wo es Energieräuber und Wiederholungen gibt und ob vielleicht negative Gefühle oder Gedanken auftreten, die besonders viel Raum einnehmen.


Wenn man merkt, dass man in eine Gedankenschleife gerät, aus der man nicht mehr herausfindet, kann man sich innerlich ein klares STOPP sagen und vorher überlegen, auf welches andere positive Ziel man seine Gedanken dann ausrichten möchte. Das kann die Erinnerung an ein schönes vergangenes oder künftiges Ereignis sein oder Sie begeben sich in Ihrer Phantasie an einen realen oder ausgedachten wunderschönen Ort, der sofort ein wohliges Gefühl in Ihnen auslöst. Welche Gerüche treten an diesem Ort in Ihre Nase, welche Farben liegen vor Ihnen, was spüren Sie in Ihrem Körper, wenn Sie an diesen Ort "reisen"?

 

Tipps für den Alltag

Im Folgenden finden Sie noch weitere Tipps, die Sie im Rahmen der Psychohygiene zu mehr Wohlbefinden und Zufriedenheit führen:

  • Kreativität – drücken Sie Ihre ganz persönliche Individualität aus, so wie nur Sie es können: Sie können etwas malen, Musik hören oder in ein Tagebuch schreiben. Wenn man sich kreativ auslebt, vergisst man darüber oft die Zeit, lebt im Moment und man kann seine Gefühle besonders gut ausdrücken.
  • Pflegen Sie die Beziehungen mit all Ihren Lieben: der Austausch mit anderen kann sehr bereichernd sein, man erfährt Rückhalt und Aufmerksamkeit und spürt Verbindung zu anderen.
  • Reden Sie über das, was Sie bewegt mit einer Person, der Sie vertrauen und fragen Sie um Hilfe, wenn Sie diese benötigen - das kann jemand aus Ihrer Familie oder aus dem Freundeskreis sein oder eine professionelle Beratung bzw. Unterstützung.
  • Belohnen Sie sich hin und wieder! Schenken Sie sich selber Aufmerksamkeit und etwas Schönes, indem Sie sich z.B. einmal mit einem guten Essen oder einer Wellness-Behandlung belohnen.
  • Trauen Sie sich, sich selber zu leben und Ihre Gefühle auszudrücken und zuzulassen - dies hat eine reinigende Wirkung. Selbstkontrolle und Selbstbeherrschung führen zur Verdrängung und Abspaltung vitaler Anteile unserer Persönlichkeit und damit zu einem reduzierten Beziehungsleben.

Bei der Psychohygiene macht das stetige Dahinter bleiben bzw. die regelmäßige Wiederholung gesundheitsfördernder Maßnahmen den Erfolg aus. Dann bietet Sie Ihnen allerdings die Aussicht auf ein Leben mit einem höheren Grad an Zufriedenheit, Gelassenheit und seelischem Wohlbefinden. Beruhigung, Ausgeglichenheit und Entspannung vertreiben dann gerne alles, von dem Sie beschließen, ihm keinen Raum mehr in Ihrem Leben zu geben.


Quellen:
http://flexikon.doccheck.com/de/Psychohygiene
http://diepsyche.de/psychohygiene-die-seelische-gesundheit-bewahren/

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