Verlust und Trauer – Das Leben "danach"

Jeder Mensch ist früher oder später mit einem schwerwiegenden Verlust konfrontiert - das beginnt im Kleinkindalter, wenn der Teddy oder die berühmte Schmusedecke verloren gehen, und erstreckt sich über Trennung und Scheidung bis hin zum Tod geliebter Menschen.


Damit richtig umzugehen, ist ein schwieriger Teil unseres Lebens, jedoch unerlässlich für unsere seelische Gesundheit. Besonders an Weihnachten ist die Einsamkeit und Trauer oft noch schwerer zu ertragen als im restlichen Jahr.

Gemeinsam ist allen Verlusten, ob geliebte Dinge oder geliebte Menschen: Wir bleiben mit einem Gefühl der Leere und der (Zukunfts-)Angst zurück, sind zum Teil persönlich verletzt, es stellt sich die Frage nach dem Warum - in extremen Fällen auch jene nach dem Sinn des Lebens. In dieser Situation ist es besonders wichtig, sich die Zeit zu geben, den Verlust zu verarbeiten, mit der neuen Situation umgehen zu lernen, die schönen Erinnerungen an einen verlorenen Menschen in sein Leben einzufügen - aber auch den Mut zu finden, wieder glücklich zu sein und die positiven Seiten des Lebens danach ohne Schuldgefühle zu genießen.

 

Bereits Sigmund Freud prägte den Begriff der "Trauerarbeit", der sich nicht nur in der Fachsprache der Psychologen etabliert hat, sondern auch im allgemeinen Sprachschatz kein Fremdwort mehr ist. Mit Arbeit an sich hat Trauern jedoch weniger zu tun. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde Trauer erstmals näher beleuchtet und als normal ablaufender Prozess aufgefasst, der meist in vier Phasen eingeteilt wurde:

  • Phase das Leugnens, des Nicht-Wahrhaben-Wollens
  • Phase der aufbrechenden Emotionen (Wut, Aggression, Schuld)
  • Phase des Suchens, Findens (Erinnerungen werden nochmals ausgelebt)
  • Phase der Akzeptanz und des Neuanfangs

Neuere wissenschaftliche Untersuchungen begreifen die Trauer als Phänomen, das in Wellen auftritt. Es kommt zwar zu ähnlichen Abläufen, Gedanken und Gefühlen wie in den vier Phasen, allerdings können sich diese vermischen und immer wieder auftreten, ein striktes "Abarbeiten nach Schema F" wurde nicht beobachtet. Bei psychisch gesunden Menschen werden die Wellen mit der Zeit flacher und kürzer, bis sie letztlich verschwinden. Diese Menschen weisen eine sogenannte Resilienz auf, eine psychische Selbstheilungskraft und Widerstandsfähigkeit, die sie wieder in ein normales Leben zurückfinden lässt. Sie haben den Verlust in ihr Leben integriert, haben akzeptiert, dass ein geliebter Mensch nicht mehr da ist und haben sich auf einen Neuanfang unter geänderten Bedingungen eingelassen. Nur ein geringer Prozentsatz der Betroffenen verharrt in anhaltender Trauer - hier ist laut Experten professionelle Hilfe vonnöten. Besondere Gefahren birgt das Verdrängen von Trauer in sich. Was eine gewisse Zeit lang gut geht und bequem ist, endet - oft nach langen Jahren - in schweren psychischen Erkrankungen. Wobei es Menschen gibt, die zwar trauern, aber doch sehr locker mit der Situation umgehen können; hier handelt es sich um keine Verdrängung, wie dies Außenstehende oft vermuten: Jeder verarbeitet Trauer anders!

 

Zurück zur Schmusedecke. Kinder können sich der Verarbeitung von Trauer nicht in dieser Form stellen. Für sie ist die verlorene Schmusedecke schlichtweg eine Katastrophe mit traumatischen Auswirkungen, nicht zuletzt wegen ihrer Bedeutung als Bezugsobjekt und als Zeichen der Sicherheit. Dies müssen Eltern in zweierlei Hinsicht bedenken: Um das Trauma des Verlusts zu verhindern, sollte die Schmusedecke (der Teddybär o. ä.) immer in doppelter, sprich identischer Ausführung vorhanden sein. Und schon gar nicht sollte ein Kind zwanghaft "entwöhnt" werden, selbst wenn Eltern es an der Zeit fänden. Erst mit der Entwicklung einer eigenständigen Persönlichkeit verlieren Schmusedecke, Teddy & Co. auch ihre enorme Wichtigkeit.

Zeit ist wohl der wichtigste Faktor, wenn Verluste betrauert werden wollen; gerade in einer schnelllebigen Umwelt sollte man nicht überhastet ins "normale" Leben zurückkehren, ohne mit sich selbst und dem Vorgefallenen im Reinen zu sein. Vor allem gehört Verlust als Teil des Lebens akzeptiert - das viel zitierte "Loslassen" wäre nur dann möglich, wenn man vergisst. Und das will man einem geliebten Menschen und sich selbst mit Sicherheit nicht antun: Man verlöre so einen bedeutenden Teil seines eigenen Lebens.

 

Quellen:

http://www.t-online.de/eltern/erziehung/id_48506954/die-schmusetuchlobby-welche-rolle-spielen-uebergangsobjekte-.html

http://www.wiwo.de/erfolg/trends/konsum-besitz-macht-gluecklich-/7334608.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Trauer

http://www.trauerphasen.de/

https://de.wikipedia.org/wiki/Resilienz_(Psychologie)

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Kommentare: 1
  • #1

    Susanne (Mittwoch, 23 Dezember 2015 14:13)

    Ich finde diesen Beitrag sehr wichtig, denn mit Trauer sind wir immer wieder konfrontiert. In einer leistungsorientierten Welt wie sie jetzt ist, werden Trauer, Angst und Krankheit als Schwäche ausgelegt. Die Menschen, die es betrifft, werden in eine Ecke abgeschoben und hin und wieder mal über den Kopf gestreichelt mit den Worten: Wird schon wieder oder reiß dich halt mal am Riemen! Bis diejenigen selber betroffen sind.....dann beginnt dasnRad auch für sie zu laufen.....