Papa, wo bist du?

Was im vergangenen Jahrhundert die traurige Folge des verheerenden Zweiten Weltkriegs war, ist aktuell die Konsequenz aus hohen Scheidungsraten und beruflicher Notwendigkeit: Väter fehlen bei der Kindererziehung.

 

Entgegen früherer Annahmen, hat diese Absenz tiefgehende Auswirkungen auf die Entwicklung des Nachwuchses.

Noch vor 20 bis 30 Jahren war die Rolle des Vaters in der Familie mit „Erzeuger und Ernährer“ ziemlich klar und eindimensional umrissen. Kindererziehung war Aufgabe der Frau, ein Mann beschäftigte sich mit anderen Dingen; nicht selten damit, ein paar Biere im nächsten Beisl zu kippen. Mittlerweile beweisen einschlägige Untersuchungen, dass die Rolle des Vaters wesentlich vielschichtiger ist und auf die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder – sowohl der Töchter als auch der Söhne – maßgeblichen Einfluss hat. Grundtenor: Ist der Vater physisch nicht greifbar oder emotional nicht in der Lage, sich seinen Kindern ausreichend zu widmen, so hat dies gravierende Konsequenzen für das Selbstwertgefühl und das (spätere) Sozialverhalten des Nachwuchses.

 

Verstärkend wirkt in diesem Zusammenhang auch das Umfeld, in dem Kinder heranwachsen. Männliches Kindergartenpersonal ist nach wie vor in der Unterzahl – wiewohl sich dieses Verhältnis aufgrund der gesetzlich festgeschriebenen Gleichbehandlung und der Wahrnehmung der hohen Bedeutung männlichen Erziehungspersonals langsam verschiebt. Ebenso verhält es sich in Volksschulen; männliche Volksschullehrer waren früher kaum zu finden, nicht zuletzt deshalb, weil die Bezahlung in diesem Beruf die Ausübung schlicht unleistbar macht. Darüberhinaus sitzt noch immer das Vorurteil tief, dass Männer, welche einen pädagogischen Beruf im Umfeld von Volksschulen und ganz besonders Kindergärten ergreifen, als potentielle pädophile Täter gesehen werden. Dadurch entsteht auch bei Kindern oft unterbewusst der Eindruck, dass Männer prinzipiell Täter und somit auch „gefährlich“ sind.

 

Das soll auf keinen Fall heißen, dass Frauen – ob in Kinder erziehenden Berufen oder als Alleinerzieherin – nicht „ihre Frau“ stehen. Ganz im Gegenteil! Sind doch vor allem letztere mit zahlreichen Mehrbelastungen gegenüber Müttern in funktionierenden Partnerschaften konfrontiert. Vielmehr geht es um die Wirkung, die der Vater als Mann und damit aufgrund seiner anderen Herangehensweise und Einstellungen, in vielerlei Hinsicht hat.

Söhne etwa benötigen die väterliche Bezugsperson, um ein entsprechendes positives Ich-Gefühl zu entwickeln. Sie brauchen einerseits ein Vorbild, an dem sie sich orientieren könnnen, andererseits muss der Vater vor allem pubertierenden Jungen Grenzen setzen. Ist ein gutes Vaterverhältnis gegeben, bleiben jugendliche Unsinnigkeiten, Probleme beim Umgang mit dem anderen Geschlecht etc. eher die Seltenheit.

 

Töchter wiederum entwickeln, im Rahmen eines gesunden Vaterverhältnisses, Selbstsicherheit und Selbstwertgefühl für spätere partnerschaftliche Beziehungen. Fehlt der erziehende Vater, so wird die Bestätigung eines Mannes eben bei einem Partner gesucht – je früher und je mannigfaltiger, desto besser. Dass sich Mädchen dabei oft auf ihr Aussehen verlassen, liegt in der Natur der Sache; Körperkult bis hin zur Krankheit (Stichwort Bulimie) und übertriebenes Modebewusstsein, auf Kosten der persönlichen Entwicklung, folgen nicht selten.

 

Wie sich Väter verhalten sollten, die bis dato wenig Zeit und Aufmerksamkeit in die Kindererziehung investieren wollten, lässt sich daher einfach beschreiben: Egal, ob berufliche Überbeanspruchung oder Abwesenheit in Folge einer Scheidung – Kinder brauchen Väter, um als Erwachsene ein erfülltes Leben führen zu können! Dabei ist es wichtiger, zahlreiche kürzere Kontakte zu haben (damit ist jedoch nicht eine kurze Kontaktaufnahme zwischen Tür und Angel gemeint!), als sich einmal im Monat mit dem Nachwuchs lange zu beschäftigen.

 

Und natürlich gibt es auch genügend positive Beispiele, wo die beschriebenen Vorgangsweisen bereits Alltagsroutinen geworden sind, nämlich bei all jenen Vätern, die sich ihrer Verantwortung als Erziehungsberechtiger bewusst sind und für die eine gleichberechtige Mann-Frau-Beziehung selbstverständlich ist!

 

 


Quellen & weiterführende Links:

http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/ERZIEHUNG/Vater-Erziehung.shtml

http://www.dijg.de/ehe-familie/forschung-kinder/vater-bezug/

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Kommentare: 7
  • #1

    Susanne (Mittwoch, 25 November 2015 12:15)

    Ich stimme dem absolut zu...hätte sich mein Vater mehr mit mir beschäftigt, wäre mir viel erspart geblieben....

  • #2

    Wolfgang (Mittwoch, 25 November 2015 12:40)

    Selbst auf die Gefahr hin gesteinigt zu werden ein paar kritische Anmerkungen:

    Es gibt nicht nur Väter die ihre Rolle nicht ausüben wollen sondern auch jene, die es nicht können da nicht dürfen.
    Bei einer Trennung (in Österreich) werden die Kinder zu 99,999% der Mutter zugeschrieben (böse Formulieren, mir fällt jedoch keine bessere ein). Wenn die Mutter dann, aus welchen Gründen auch immer, dem Vater den Kontakt versagt, darf dieser zwar zahlen hat aber sonst keine Möglichkeiten seine Rechte durchzusetzen. Da hilft dann auch kein Jugendamt oder Gericht.

  • #3

    Silvia Podlisca (Mittwoch, 25 November 2015 13:59)

    Lieber Wolfgang,
    danke Dir für Deinen Input! Unser Blog soll sowohl Männern als auch Frauen verdeutlichen, wie sehr Kinder ihre Väter brauchen und wie wichtig für Kinder der Kontakt zu ihren Vätern ist. Die von Dir angesprochene Problematik ist kein Einzelfall und begegnet mir immer wieder im Gespräch mit meinen KlientenInnen. In der Folge kann es hilfreich sein zu eruieren, welche Ursachen zu dem Verhalten der Mutter geführt haben – meistens ist die Situation - von beiden Seiten - schon lange vorher eskaliert (Kränkungen, Verletzungen usw). Glücklich mit Deiner beschriebenen Lösung ist weder die Mutter, noch der Vater geschweige denn das Kind….

  • #4

    Patricia (Donnerstag, 26 November 2015 20:40)

    Bei diesem Beitrag fühle ich mich schuldig.
    Denn auch mein Sohn wächst ohne Vater und ohne Großväter auf. Seit 14 Jahren versuche ich mit aller Kraft Mutter und Vater zu sein. Ob meinem Sohn durch den fehlenden Vater etwas fehlt weiss ich nicht.

    Warum fehlt der Vater: Vater hat nach der Geburt eine neue Liebe gefunden und zieht es vor, im Ausland untergetaucht zu leben (somit auch keine finanzielle Unterstützung)

  • #5

    Silvia Podlisca (Donnerstag, 26 November 2015 21:08)

    Liebe Patricia,

    es wird immer Fälle geben, wo Kinder ohne Väter (oder auch Mütter) aufwachsen.
    Wichtig empfinde ich, dass alles versucht wird, dass Kinder beide Elternteile haben und lieben können. Dafür müssen auch beide Elternteile die Verantwortung übernehmen. Wenn ein Elternteil dies nicht tut (wie hier der Vater), geht es immer auf Kosten des Kindes und der verbleibende Elternteil muss - so gut es geht - Vater und Mutter in einem sein. Hier stößt fast jeder an seine Grenzen.

    Ich möchte auch noch sagen, Hut ab! Alleine ein Kind groß zu ziehen ist echt eine Leistung!! Weiterhin alles Gute!

  • #6

    Josef Miligui (Samstag, 05 Dezember 2015 14:04)

    Als alleinerziehender Vater einer jetzt 33jährigen Tochter habe ich da in einigen Bereichen abweichende Sicht. Klar war es für mich schwierig, Beruf und Kindererziehung zu meistern, muss aber sagen, dass Jugendamt hat mir sehr geholfen. Ich denke, dass wenn auch ein Großteil der Männer weniger Interesse an der Erziehung haben, dass in unserer Gesellschaft die Männer von Vorhinein pauschal als Schuldig oder Unfähig abgestempelt werden und so als Alleinerzieher eher als Sonderlinge gesehen werden - das macht es nicht einfacher. Auch gibt es genügend Fälle, wo die Frauen das Bier kippen (ich trinke fast nie Alkohol) oder andere Gründe, welche die Partnerschaft zerstören vorhanden sind. Bei der heutigen Sicht wird aber dennoch oft es so gesehen, besser das Kind ist bei der Mutter, denn das wäre die natürliche Rolle der Frau und die eigentlich gut situierten Männer benachteiligt werden, was bis hin zu Besuchsverboten geht, obwohl die Mütter mit der Erziehung nicht zurecht kommen. Und genau solche negativen Aussagen wie in dem Blog wieder die Männer diskriminieren - und dadurch die Statistik wohl noch schlechter in Zukunft wird. (Ihr Zitat: Dadurch entsteht auch bei Kindern oft unterbewusst der Eindruck, dass Männer prinzipiell Täter und somit auch „gefährlich“ sind."
    Oft nutzen die Mütter dann diesen Umstand als Möglichkeit der Rache an den Partner und verhindern auch einen positiven Kontakt (bei mir wollte die Mutter nichts von ihrem Kind wissen, das ist mir zu gute gekommen).
    Wie dringend aber die Kinder den jeweils anderen Elternteil benötigen habe ich auch so erfahren - ein Alleinerzieher sollte beide Rollen übernehmen und das klappt dann nicht so leicht. Es muss für die Kinder ja die Möglichkeit bestehen, den zweiten Elternteil als Tröster und Beschützer zu haben, wenn ein Konflikt mit dem einen besteht - und natürlich auch als Ansprechpartner um solche Konflikte mit Liebe und Verständnis zu lösen. Da muss man schon viel Einfühlungsvermögen haben und sich oft zurücknehmen um den Kind einen Freiraum zu bieten - und sei es auch auszusprechen, was dem Kind gerade nicht passt auch wenn es gegen die eigenen Vorstellungen ist.
    Glücklicherweise schreiben Sie aber im Schlusssatz, dass es auch positive Beispiele gibt, sonst wäre ich jetzt komplett frustriert gewesen.
    Ich hoffe, dass sich in unserer Gesellschaft noch einiges ändert und die Männer mehr Unterstützung bekommen, wenn die Umstände entsprechen. Das macht das Jugendamt aber normalerweise schon. Danke für Ihren Blog-Beitrag und für die motivierenden Antworten.

  • #7

    Silvia Podlisca (Samstag, 05 Dezember 2015 15:27)

    Lieber Josef,

    danke, für den tollen Kommentar!

    Ich weiß, wie schwer es Väter haben wenn die Mutter des Kindes nicht möchte, dass der Vater Kontakt zum Kind hat. Dieser Blog soll ja Müttern wie Vätern verdeutlichen wie wichtig BEIDE Elternteile sind - denn Eltern werden kann man nur gemeinsam.

    Das erwähnte Zitat (Dadurch entsteht auch bei Kindern oft unterbewusst der Eindruck, dass Männer prinzipiell Täter und somit auch „gefährlich“ sind.") soll ja gerade Frauen und der Gesellschaft zeigen, dass Vorurteile absolut fehl am Platz sind und schädlich für das Kind! Dass, alleine schon die Tatsache (wenig männliches Personal in diesen Berufen), schon eine schlechte Wirkung hat. Für mich hat das nichts mit Diskriminierung der Männer zu tun.