Was du nicht willst, das man dir tu‘ …

Seinem Gegenüber mit Respekt zu begegnen gehört an sich zur guten Kinderstube. Aber so selbstverständlich wie es auf den ersten Blick scheint, ist dies keinesfalls. Im tagtäglichen Umgang mit anderen Menschen, Kollegen oder Freunden lässt so mancher seine gute Erziehung vergessen und vergreift sich im Ton oder sogar in seinen Taten. Und von einem respektvollen Umgang untereinander in Medien und Politik ist zeitweise gar nichts zu merken.
Aber wie wirkt sich respektvoller Umgang eigentlich auf uns aus, und was erwarten und verstehen wir darunter?

Laut Wikipedia ist Respekt (lateinisch respectus „Zurückschauen, Rücksicht, Berücksichtigung“, auch respecto „zurücksehen, berücksichtigen“) eine Form der Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Ehrerbietung gegenüber einem anderen Lebewesen (Respektsperson) oder einer Institution. Eine Steigerung des Respektes ist die Ehrfurcht, etwa vor einer Gottheit.
In zwischenmenschlichen Beziehungen ist daher auch immer wieder von Respekt und respektvollem Umgang miteinander die Rede. Im Grunde heißt das nicht mehr, als sein Gegenüber als gleichwertig anzusehen, und sich ihm nicht auf Grund von Herkunft, Einfluss, Geschlecht oder gar Rasse überlegen zu fühlen. Es heißt aber vor allem nicht weniger! Und das ist der schwierige Teil an der Geschichte.

Denn nur allzu schnell tappt man in die Vorurteilsfalle. „Lass da mal einen Mann ran!“ ist eine dieser Aussagen, die auch heute noch allzuoft wie selbstverständlich verwendet werden. Und die von Frauen ganz klar als geschlechterdiskriminierend wahrgenommen wird. Noch schwieriger wird es im zwischenmenschlichen Umgang mit sogenannten „Minderheiten“. Schon das Wort Minderheit zeigt, wie im umgangssprachlichen Gebrauch ein respektvoller Zugang in Worten und Taten schwierig ist. Und speziell hier gilt, dass gut gemeint nicht immer automatisch gut gemacht bedeutet. Nicht jeder Rollstuhlfahrer will bemitleidet werden, selbst wenn keine böse Absicht dahinter steckt. Dennoch sind solche kleinen Alltagsdiskriminierungen nach wie vor an der Tagesordnung. Und ausdrücklich nicht nur in den sogenannten bildungsfernen Schichten, sondern diese ziehen sich durch alle Alters- und Gesellschaftsschichten. Wer also Diskriminierungen verhindern – oder zumindest verringern – will, kommt nicht umhin, sich selbst bei der Nase zu nehmen und über seine täglich getroffenen Aussagen nachzudenken. Wenn uns unsere Eltern mit dem alten Sprichwort „Was du nicht willst, was man dir tu‘, das füg‘ auch keinem anderen zu!“ möglicherweise auch genervt haben, so muss man sich wohl oder übel eingestehen, dass dies den Grundsatz respektvollen Umgangs miteinander darstellt. Denn weniges trifft einen mehr, als die Tatsache, von seinem Gegenüber als unterlegen wahrgenommen zu werden. Und wie bei allen (menschlichen) Handlungen, wird auch hier die Hemmschwelle zunehmend geringer, je öfter man selbst zu diskriminierenden Äußerungen greift. Und wenn zuletzt auf Worte Taten folgen, eskaliert dies nicht selten in Gewalt.

Respekt gebührt aber nicht nur anderen Menschen – auch ein respektvoller Umgang mit der Natur und anderen Lebewesen – Tieren im Speziellen – sollte eigentlich als Normalität gelten. Dabei geht es jedoch nicht nur um große ökologische Auswirkungen wie die Verringerung des Treibhauseffekts. Ein respektvoller Umgang mit der Natur beginnt da, wo ich mich aktiv entscheide, das Zuckerlpapierl in den Mistkübel zu werfen, anstatt es am Gehsteig fallen zu lassen. Und jegliche Art von Tierquälerei schließt Respekt gegenüber anderen Lebewesen per Definition aus. Wobei es auch hier schon bei artgerechter Haltung beginnt und nicht erst bei physischer Gewalt endet. Wenn ich mich zum Beispiel dafür entscheide, beim Disconter das Schnitzelfleisch um 5 Euro pro kg zu kaufen, muss mir bewusst sein, dass dies zu Lasten von industriell gehaltenen Nutztieren geht. Selbst wenn mir die Werbung glauben machen will, dass mein Kalb einen schönen Sommer auf der Alm erlebt hat – auch das ist eine Frage von Respekt gegenüber anderen Lebewesen, letztlich aber auch mir selbst gegenüber.

Und auch in der Wirtschaft wird der respektvolle Umgang untereinander leider allzuoft vernachlässigt. Was passiert, wenn man seine Zielgruppen oder Mitbewerber mit zu wenig Respekt behandelt, mussten zuletzt auch zwei globale Konzerne schmerzhaft zur Kenntnis nehmen. Dass ein Jus-Student aus Österreich den Internetgiganten Facebook in die Knie zwingt ist der Tatsache geschuldet, dass dieser von den Anwälten im Silicon Valley einfach nicht für voll genommen wurde – bis es schließlich zu spät war. Und dass bei VW tatsächlich damit spekuliert wurde, eine jahrelange Manipulaiion dauerhaft geheim halten zu können, grenzt schon regelrecht an Größenwahn. In beiden Fällen wurde seinem jeweiligen Gegenüber – sei es ein Jus-Student oder andere Autobauer – nicht der gebührende Respekt entgegengebracht. Und in beiden Fällen wurde die Respektlosigkeit hart bestraft.

Unterm Strich bleibt also die Erkenntnis, dass Respekt und ein respektvolles Miteinander langfristig immer die lohnendere Alternative zur (verbalen) Diskriminierung sind. Und natürlich, dass es sich ab und an lohnt, sich an die Weisheiten seiner Eltern zu erinnern!

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Kommentare: 2
  • #1

    Vincenzo Pellegrino (Montag, 23 Januar 2017 03:54)


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  • #2

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